Chamorchis alpina
(LINNÉ) L.M.C. RICHARD 1817

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Die Zwergorchis besiedelt vergleichsweise lebensfeindliche Standorte, insbesondere windexponierte Grate im Hochgebirge, wie hier in den Dolomiten. Groß kann man hier nicht werden. Die Art ist wegen ihres kleinen Wuchses, ihrer kleinen, gelblichen Blüten und der grasartigen Blätter so unscheinbar, dass man schon sehr genau hinschauen muss, will man sie entdecken


Diese, unverwechselbare Orchidee ist der Winzling unter den mitteleuropäischen Orchideen. Man muss schon genau hinsehen, will man nicht an ihr vorbeilaufen. Und wenn sie nicht blüht, wird sie sogar von Kennern übersehen, denn die schmalen, linealen, rinnig gefalteten Blättchen sind kaum von denen mancher Süß- oder Sauergräser zu unterscheiden. Dabei ist sie in einigen Gebieten der Alpen eigentlich gar nicht so selten, beispielsweise in den Dolomiten. An ihr zusagende Standorten bildet sie auch größere Bestände. Zum ersten mal begegneten wir dieser Art zufällig. Müde und hungrig von einer Bergwanderung in den italienischen Dolomiten setzten wir uns auf einen kleinen Grat. Die Aussicht war herrlich. Neben unserem Rucksack stand sie da, die Zwergorchis in voller Blüte. Welch eine Überraschung! Daran hatten wir nun wirklich nicht gedacht. Und es war nicht das einzige Exemplar. In der Umgebung wuchsen viele Dutzende von ihnen.

Die Art ist auf die europäischen Hochgebirge beschränkt und ist im gesamten Alpenraum, in den Nord- und Südkarpaten, sowie in den skandinavischen Gebirgen nordostwärts bis zum 72. Breitengrad verbreitet. Sie ist damit ein alpisch-karpatisch-skandinavisch-lapponisches Florenelement. Die Zwergorchis wächst vornehmlich in steinigen oder felsigen Magerrasen der subalpinen und alpinen Stufe oberhalb der Waldgrenze (1400 Meter). Fast immer sind es windausgesetzte, selten vom Schnee überdeckte Grate und Kuppen, wo man die Art zusammen mit der Silberwurz (Dryas octopetala), selten auch mit dem Edelweiß finden kann. Welch ein unwirtlicher Platz für eine so zarte Orchidee.

Die Zwergorchis braucht Platz, Beschattung durch höhere Pflanzen erträgt sie nicht. Bis hinauf auf 2750 Meter über dem Meer kann man sie gelegentlich noch finden. Sie bevorzugt kalkhaltige, flachgründige Böden. Die monotypische Gattung Chamorchis hat nur eine Art und keine näheren Verwandten. Die Blütezeit liegt je nach Höhenlage und Exposition im Juli oder August. Besucht und bestäubt wird sie durch winzige Käfer, Fliegen und Schlupfwespen. Der meist sehr hohe Fruchtansatz lässt aber vermuten, dass die Pflanze zur Autogamie fähig ist. Die Chromosomenzahl beträgt (wahrscheinlich) 2n = 42.

Eine Besonderheit bei dieser Art ist neben dem Fehlen eines Sporns an den kleinen, gelbgrünen bis rotbraunen Blüten die Fähigkeit, statt einer gleich zwei Tochterknollen jährlich zu bilden. Sogar Ausläufer kann sie treiben, so dass oft mehrere Blütentriebe dicht beieinanderstehen. Hybriden sind bislang nicht beobachtet worden. Sie sind auch wenig wahrscheinlich.

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Erst in der Vergrößerung sieht man, dass man es mit einer Orchidee zu tun hat. Die Blüten sind übrigens wenig variabel


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Blüten


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Die Nahaufnahme zeigt die Einzelblüten und die rinnigen, grasförmigen Blätter recht deutlich. Die Art ist unverwechselbar