Nigritella stiriaca
(K.RECH) TEPPNER et KLEIN

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Blüten


Fast bei jeder Alpenwanderung treffen wir auf sie: die Kohlröschen, zusammen mit der wohlriechenden Händelwurz und der grünen Hohlzunge die häufigste Orchideenart unserer Berge. Meist sind es dunkelbraun- schwarzblühende Exemplare, die uns auffallen, die Magerwiesen zieren und die so lecker nach Schokolade duften. Aber selbst die "Schwarzen" sind nicht alle gleich, man unterscheidet mittlerweile in den Alpen zwischen N. austriaca und der etwas später blühenden N. rhellicani. Dann gibt es noch rotblühende Kohlröschen (N. rubra), eher im östlichen Mittelmeerraum und weitaus seltener als die schwarzblühenden. So war der Stand seit 1889 und bis 1978. Da begannen die Spezialisten sich auch mit der Gattung Nigritella näher zu beschäftigen. Ergebnis waren eine Reihe neuer Arten, darunter auch einige rosablühende. Einige von ihnen sind extrem selten und in bestimmte Gegenden endemisch. Hierzu zählen das Erzherzog Johann-Kohlröschen und das Steirische Kohlröschen, die jeweils nur an wenigen Standorten vorkommen und damit besondere Juwelen der Bergflora sind. Auch die ebenfalls rosablühende Nigritella corneliana hat ein vergleichsweise kleines Verbreitungsgebiet. Sie war Orchidee des Monats Januar 2000 (siehe Archiv Orchidee des Monats).

N. stiriaca wurde 1906 vom Sarstein im Salzkammergut erstmals beschrieben, und zwar als Varietät der damals bekannten Nigritella nigra. Bis 1985 war dies auch der einzige bekannte Standort. Damals zeigten TEPPNER und KLEIN, die "Kohlröschen-Pioniere" der Alpen, dass sich diese Pflanzen keiner bekannten Art widerspruchsfrei zuordnen lassen. Zum einen beträgt die Chromosomenzahl 2n=80, was die Autoren als Beleg für die Nichtzugehörigkeit zu N. nigra (damals waren N. rhellicani und N. austriaca noch nicht getrennt) werteten. Heute weiß man, dass auch N. austriaca den tetraploiden Chromosomensatz 2n=80 trägt. Bei dieser Art wird allerdings nur sehr selten von Farbvarianten berichtet. Diese sind bei N. rhellicani weitaus häufiger. Deren Chromosomensatz aber ist diploid, beträgt also 2n=40. Außerdem sind die Lippen des steirischen Kohlröschens im Gegensatz zu N. rhellicani über dem Grund deutlich verengt. Zum anderen wurde auch eine Farbvarietät von N. rubra als wenig wahrscheinlich angenommen, weil deren Blütenbau signifikant von den betreffenden Pflanzen verschieden ist. Objektiv betrachtet unterscheiden sich die als N. stiriaca beschriebenen Pflanzen in wenigen Merkmalen mehr oder weniger stark von anderen bekannten Arten. Ob es allerdings gerechtfertigt ist, diese Pflanzen im Artrang zu führen, sei dahingestellt.

Anders als beispielsweise N. rhellicani, bei der ab und zu, in einigen Gegenden auch häufiger, Farbabweichungen vorkommen (z.B. buntblühende Sippe in Südtirol), ist N. stiriaca verhältnismäßig einheitlich im Erscheinungsbild. Die Mehrzahl der Pflanzen hat einen an N. rubra erinnernden eher langgestreckten Blütenstand. Bei fast allen Exemplaren zu beobachten ist die charakteristische Zweifarbigkeit jeder einzelnen Blüte (nicht der Blüten im Blütenstand wie beispielsweise bei N. corneliana oder N. widderi): Während die Blütenzentren rosa gefärbt sind, verliert sich diese Farbe zu den Blütenspitzen mit fortschreitender Anthese (Blühzustand) zusehends, was der Pflanze ein sehr attraktives Erscheinungsbild verleiht. Die Grundfarbe ist meist rosa, aber auch hellrosa bis rötliche Farbtöne mit leichtem "Blaustich" kommen vor.

Mittlerweile sind einige wenige weitere Standorte dieser äußerst seltenen Art bekannt geworden. Demnach ist das alpische Florenelement auf die Kalkalpen Salzburgs (Salzkammergut) und das Grazer Bergland beschränkt. Das Steirische Kohlröschen kommt ausschließlich auf südexponierten, frischen, grasigen Hängen über Kalk (Seslerio-Semperviretum) in Höhenlagen von 1.400 bis 2.000 Metern vor. Es blüht ungefähr zur gleichen Zeit wie N. rubra und N. widderi, also rund 2 Wochen vor N. rhellicani. Das steirische Kohlröschen gehört, wie übrigens Nigritella austriaca, N. rubra und einige andere auch, zu den Orchideenarten, die sich apomiktisch, also ungeschlechtlich, fortpflanzen. Bei solchen Arten besitzen alle Nachkommen eines Individuums dasselbe Erbgut. Farbabweichungen und Hybriden sind deshalb selten. Dies gilt auch für das Steirische Kohlröschen, von dem Hybriden z.B. mit Gymnadenia conopsea oder anderen Kohlröschenarten zwar denkbar, bislang nach Kenntnis des Autors aber noch nicht gefunden worden sind.

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Blüten


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Habitus


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Blütendetail


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Standort